05. Dezember 2008 – Ergebnis der 2. Knochenmarkspunktion

05. Dezember 2008 – Ergebnis der 2. Knochenmarkspunktion

5. December 2008  |  veröffentlicht in test

Endlich haben wir das Ergebnis der 2. Knochenmarkspunktion erhalten! Die erste Punktion hat ergeben, dass sich unter unmittelbarem Einfluss der Chemotherapie die Leukämiezellen zurückdrängen ließen und dass durch den Laborbefund keine sog. Blasten nachgewiesen werden konnten. Die zweite Punktion nun fand in der Therapiepause statt und sollte Aufschluss darüber geben, wie sich die Leukämiezellen verhalten, ohne dass Medikamente direkt wirken. Heute haben wir erfahren, dass auch hier keine Leukämiezellen nachgewiesen werden konnten und auch das wichtige Referenzlabor in Hannover diesen Befund bestätigt hat. Wir freuen uns sehr über diesen Befund, denn jetzt reden wir rein technisch davon, dass sich Benny in Remission befindet und somit nunmehr nur der Neuausbruch der Leukämie kontrolliert wird. Dies ist eine sehr wichtige Voraussetzung für die Stammzelltransplantation. Die Ärzte sind sehr zufrieden und wir sind gelinde gesagt, etwas aus dem Häuschen. Mittlerweile hat Benny den 2. Chemoblock hinter sich. Wir waren ein paar Tage zu Hause und mussten aber heute wieder in die Klinik, da das Fieber anstieg. Wieder versucht man herauszufinden, was ihm fehlen könnte. Er bekommt vorsorglich ein Breitbandantibiotikum und man sitzt den Infekt aus bis seine weißen Blutkörperchen wieder auf eine Anzahl angestiegen sind, dass eine Infektabwehr zumutbar ist. Diese befindet sich gerade bei 0 und daher verwundert es auch keinen, dass wir wieder hier sind. Erstaunlich ist eigentlich, dass er so lange beschwerdefrei zu Hause sein konnte.

Wir freuten uns sehr daran, nicht zuletzt dadurch, dass wir mal wieder als Familie zusammen waren. Bei Tobias regt sich im Übrigen immer größerer Protest gegen diesen Zustand, den wir gerade leben müssen. Nicht nur, dass wir sehr selten alle unter einem Dach leben, sondern auch dass sich viele unserer Gesprächthemen um klinische Angelegenheiten drehen und nicht um sein „normales“ Leben. Jule vermisst Benny auch immer mehr, wie verstehen dies auch häufiger, da sie auch verstärkt in kleinen Wortreihen kommuniziert. Ihr Begrüßungsruf, wenn ich mit Benny zu Hause bin ist daher nicht: „Mama, Mama“ sondern „Bebsi da!“ Benny wiederum beschwerte sich lauthals gegen unsere Versuche, ihn aufgrund der Niesattacken und Schnupfnasen von Jule und Tobias in einem anderen Zimmer über Nacht unterzubringen. Irgendwann haben wir dann verstanden, was er wollte – nämlich mit seinen Geschwistern, wie sonst auch, in einem Zimmer zu schlafen. Als wir dem nachgaben, war Ruhe… Man könnte in solchen Momenten mit den Fingern schnipsen und meinen, dass das alles nicht wahr ist mit der Leukämie.

Leider ist es so und an unseren Gesprächen mit euch merken wir auch, wie sehr euch diese Frage beschäftigt, ob man diese Krankheit hätte vermeiden können oder warum es einen trifft. Alle diese Fragen lassen sich leider überhaupt nicht beantworten. Man kann offenbar in der Nähe von Atomreaktorunfällen (Tschernobyl) eine Häufung von Krebserkrankungen auch bei Kindern feststellen. In der Tat sind auf unserer Station einige Kinder aus der Ukraine, die hier behandelt werden. Am Nikolaustag strahlt das ZDF übrigens in seiner Sendung „Ein Herz für Kinder“ um 20.15 einen Beitrag über Nastja aus, die hier in Berlin Buch therapiert wird. Wer sich dem aussetzen will, bekommt über diese Sendung vielleicht einen kleinen Eindruck von dem, wie es uns hier geht. Ansonsten kann man wirklich gar nichts tun, um seine Kinder vor so einer Krankheit zu schützen. Auch ein genetisches Risiko wurde eingehend untersucht und konnte in unserem Fall ausgeschlossen werden.

Wir hätten nicht gedacht, dass uns so etwas mal ereilt und wünschen es keinem, dass man so eine Krankheit als Angehöriger und/oder Betroffener durchmachen muss. Feststeht, dass es einen verändert! Ein Vater, dessen Kind nach erfolgter Therapie wieder auf Station ist, erzählte mir kürzlich, dass man diese Angst, dass der Krebs wiederkommen würde, nicht mehr los wird. Jedes Fieber wird als möglicher Rückfall interpretiert. Sogar die Schwestern sind ein wenig geschädigt: eine gab zu, dass sie sogar bei ihrem Hamster eine Organkrebs vermutet hatte, da dieser plötzlich so dick war – dabei stellt sich bald darauf heraus, dass ihr Hamster Junge bekam!

Wir danken euch erneut für eure Unterstützung: vom Aufruf beim Arbeitgeber, eine Knochenmarksspenderegistrierung durchzuziehen; über das Angebot, uns finanziell zu unterstützen; vom Aushelfen mit Bilderbüchern und Maulwurf DVD’s für den langweiligen Klinikaufenthalt; vom Kinderbetreuen bis zum Kindergarten abholen und nicht zuletzt durch die vielen Gebete. Auch wenn man es nicht für möglich halten möchte: der Einfluss der Medizin in diesem Krankheitsbild ist gering im Vergleich zu dem, was im nicht sichtbaren Bereich stattfindet, den nur ein Labor zeitverzögert testieren kann.

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